Die Suche der Kriegsenkel nach ihren Wurzeln

Wohin man in den Medien schaut: Die Kriegsschauplätze an verschiedenen Orten der Welt sind allgegenwärtig. Vor allem bei älteren Menschen, die die Grauen des Zweiten Weltkriegs miterlebt haben, können diese Bilder alte Wunden aufreißen. Für die Kriegsenkel ist die aktuelle Berichterstattung vielleicht ein guter Anlass, mit ihren Eltern noch einmal über die Vergangenheit zu reden. Denn viele tragen noch immer ungelöste Probleme mit sich herum, die auf die schwierige Beziehung zu ihren Eltern zurückzuführen sind.

Kriegsenkel sind in einer Zeit groß geworden, in der scheinbar alles möglich war. Trotzdem sind viele bis heute nicht glücklich mit dieser vermeintlichen Freiheit. Zum Beispiel, weil sie beruflich von ihren Eltern den „Auftrag“ erhielten, „etwas aus ihrem Leben zu machen“, was den Eltern verwehrt geblieben ist – und deshalb vermeintlich sichere Berufe ergriffen haben. Andere sind mutig losgezogen und ins Ausland gegangen oder haben als Erste aus ihrer Familie studiert – häufig aber kein Fach, was Geld einbrachte, sondern eines, mit dem sie den „Sinn des Lebens“ aufspüren wollten, wie etwa Philosophie. Im Rückblick erkennen viele, wie riskant ihr Lebensentwurf war und bis heute ist. Denn Kriegsenkel machen vieles zum ersten Mal, weil es dafür keine gesellschaftlichen Vorbilder gibt. Und dabei entfernen sie sich weit von ihren familiären Wurzeln.

Weil viele das mittlerweile erkannt haben, begeben sie sich buchstäblich auf die Suche nach ihren Wurzeln: Sie fahren in die Länder, aus denen ihre Eltern geflüchtet oder vertrieben worden sind. Das ist aus meiner Sicht kein rückwärtsgewandtes Verhalten, denn die Suche nach den Wurzeln wird von der Gegenwart gesteuert. Diese verlangt es, dass jeder sich immer wieder neu erfinden darf und muss! Obwohl der Besuch in der Heimat der Eltern wie die Suche nach einer eigenen Heimat aussieht, ist es vielmehr die große Sehnsucht nach Be-Heimatung. Denn dieses Gefühl vieler Kriegsenkel, immer wieder neu anfangen zu müssen, bringt eine gewisse seelische Heimatlosigkeit mit sich, die sie mit der Suche nach ihren Wurzeln heilen wollen.

Interessieren auch Sie sich dafür, wie Sie das geworden sind, was Sie sind? Ich habe eine neue Methode entwickelt, wie Sie mit Ihrem eigenen, fragmentiert erscheinenden Lebensentwurf konstruktiv umgehen können. Ich habe sie My-Life-Storyboard genannt. Damit behandeln Sie verschiedene Themen in Ihrem Lebenslauf – angefangen bei der Frage, wie mit der „Schuld von Opa“ umzugehen ist bis hin zu Ihrer eigenen Rolle in dieser Geschichte bzw. der Rolle, die Ihnen als Nachkomme traumatisierter Eltern zugewiesen wurde. Das My-Life-Storyboard ist eine Art Zeitlinien-Arbeit, die es ermöglicht zu schauen, wie Sie mit dem schweren Erbe Ihrer Eltern umgehen, und die auch die jüngere Geschichte reflektiert. Wir untersuchen gemeinsam Ihre verschiedenen biografischen Stationen. Dadurch lernen Sie Ihre typischen Deutungs- und Handlungsmuster und Ihre „inneren Gewissheiten“ kennen.

Neugierig geworden? Den Workshop „My-Life-Storyboard“ biete ich erstmals am 28. November 2014 in Berlin in meiner Praxis an. Anmeldungen nehme ich ab sofort entgegen, per E-Mail an mailto@meyer-legrand.eu oder telefonisch unter 030/78704830.

Ich freue mich auf Sie!

Ingrid Meyer-Legrand

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