Familienstammbaum-Arbeit und „My Life Storyboard

Viele Kriegsenkel erleben eine Ruhe- und Rastlosigkeit. Sie haben einerseits den Drang, immer wieder neu aufbrechen zu müssen, und erleben andererseits Stillstand und Niedergeschlagenheit. Dies führt bei vielen dazu, dass sie ihr Leben nicht mehr als stimmig empfinden.

Zu viele Aufbrüche und Abbrüche lassen ihren Lebensweg fragmentiert und zerstückelt erscheinen. Sie fühlen sich nicht richtig aufgehoben in der Welt. Dieses Gefühl bedeutet für sie im höchsten Maße Stress, denn um die psychische Gesundheit aufrecht zu erhalten, braucht man ein konsistentes Selbstbild und ein stimmiges Weltbild.

Familienstammbaum-Arbeit

In meinem Workshop „Arbeit mit dem Familienstammbaum“ geht es darum, eine Stimmigkeit mit sich selbst und eine Stimmigkeit in Bezug auf „die Welt“ zu entwickeln. Ich helfe meinen Klienten dabei, den roten Faden in ihrem bewegten Leben zu erkennen und sich in eine Tradition zu stellen oder sich bewusst von einem Teil der Familientradition abzuwenden. Sie werden über die Wurzeln und die eigene familiäre und kulturelle Eingebundenheit nachdenken. Wir versuchen, die biografische und die historische Geschichte zusammenzubringen und dadurch die Ressourcen eines Lebenswegs zu entdecken.

Die Untersuchung der Familienbiografie erlaubt uns, die festen Überzeugungen (Mindset), der eigenen Familie herauszuarbeiten: Welches „Mindset“ von Überzeugungen oder welche Sinnstrukturen standen der Familie in einer ganz bestimmten Zeit zur Verfügung und wie haben sie diese genutzt? Dies sind leitende Fragen bei der Genogrammarbeit.

Wichtig erscheint mir, die Biografie als etwas „Gewordenes“ zu begreifen, wenngleich – wie wir wissen – die Familie manchmal nur einen geringfügigen bis gar keinen Einfluss auf die Gestaltung der eigenen Biografie hatte.

Dennoch können wir uns fragen, worin die Handlungsmöglichkeiten der einstigen Kriesgkinder bestanden: Haben sie etwas für sich selbst bewirken können – trotz repressivster gesellschaftlicher Verhältnisse? Für die Kriegsenkel, die ihre Eltern sehr häufig als Opfer der Geschichte wahrnehmen, kann gerade diese Frage von entscheidender Bedeutung sein: Hatten ihre Eltern bei all dem Leid, das sie in Kriegs- und Flüchtlingszeiten erlitten haben, auch eine Chance? Haben sie nicht nur überlebt, sondern sogar eine Weile gut leben können?

Das Aufspüren „alternativer Geschichten“, die jenseits der vorherrschenden Erzählung liegen, wird von den Einzelnen immer wieder als äußerst tröstlich erlebt. Die Fragen danach, ob die Kriegsenkel sich ihre Eltern auch glücklich vorstellen können, korrigieren oft das Bild von den Eltern als ewig Leidende. Aufgrund ihrer individuellen Lebensläufe haben viele Kriegsenkel den Wunsch, sich in eine Tradition ihrer Vorfahren zu stellen, um herauszubekommen, auf welchem reichen Erfahrungsschatz sie aufbauen und anknüpfen können. Auch dies ermöglicht die Auseinandersetzung mit dem Familienstammbaum.

My Life Storyboard

Damit die Einzelnen sich den eigenen Lebensweg mit seinen zahlreichen Umwegen erklären und den roten Faden in ihrem bewegten Leben erkennen, habe ich ein neues Format entwickelt: „My Life Storyboard“, eine besondere Art der Zeitlinien-Arbeit.

Während bei der Genogramm-Arbeit die Großeltern- und Elterngeneration erforscht wird, gehen wir mit My Life Storyboard mehr in die Gegenwart und betrachten die Gestaltungsräume, die die Kriegsenkel in ihrem Leben selbst wahrgenommen haben.

Ausgehend von einer aktuellen Fragestellung – zum Beispiel: Warum komme ich beruflich nicht vorwärts? – wird beleuchtet, was die Einzelnen in ihren biografischen Stationen wie Elternhaus, Schule oder Berufsleben gelernt haben. In diesem Prozess erkennen viele ihre einzigartigen Kompetenzen im Umgang mit den Herausforderungen ihrer besonderen Geschichte und können diese für ihre aktuelle Frage nutzbar machen.

Häufig stellt sich im Laufe dieser Arbeit eine tiefe Verbundenheit mit dem eigenen Weg ein und eine Hochachtung vor der eigenen Lebensleistung. Das bisherige Leben erscheint dann sinnvoll, kohärent und weniger fragmentiert. Das Motiv, immer noch auf der Flucht zu sein, das bei vielen Kriegsenkeln vorherrscht, verschwindet mit der Untersuchung verschiedener Lebensstationen und geht in dem Gefühl auf: „Das ist mein Leben.“

Die Individualisierung der Gesellschaft führt dazu, dass ständig alle aufgefordert sind, sich zu verändern, sich selbst zu optimieren und sich der Mobilität und Flexibilität dieser Gesellschaft anzupassen. Diese Herausforderung lässt bei vielen ein Gefühl von Heimatlosigkeit aufkommen. In meinen Coaching- und Therapieprozessen geht es darum zu erkennen, dass das Zusammentreffen dieser besonderen, durchaus leidvollen und herausfordernden biografischen Konstellation und den besonderen gesellschaftlichen Bedingungen einzigartige Ressourcen hervorgebracht haben können.

Wenn Sie glauben, dass auch ich Ihnen mit meinen Angeboten helfen kann, merken Sie sich schon einmal die nächsten Termine vor:

My-Life-Storyboard – Kurzworkshop

Termin: 19. April 2015, 10-14 Uhr
Ort: Urania Berlin
Kosten: Normalpreis 49 Euro, ermäßigt 46 Euro, Urania-Mitglieder 43 Euro
Max. Teilnehmerzahl: 30

Weitere Infos unter www.urania.de/programm/2015/z770/

My Life Storyboard – Wochenendworkshop

Termin: 12. und 13. Juni 2015 ab 16 Uhr
Ort: in meiner Praxis in Berlin
Ihre Investition: 210 € plus 19% MwSt., 39,90 € = 249,90 €

Weitere Infos und Anmeldung: mailto(at)meyer-legrand.eu

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Kommentare

Familienstammbaum-Arbeit und „My Life Storyboard — 6 Kommentare

    • Danke schön für Ihr Interesse, lieber Sebastian Schadach! Es gibt am 27.11. einen neuen Workshop zum Thema: Kriegsenkel und ihre Schuldgefühle. In der Ausschreibung dazu heißt es: Für viele stellt sich die Frage in den Coaching-Sitzungen, ob sie erfolgreicher sein dürfen als ihre Väter. Häufig stellen wir fest, dass sie ihre Väter beruflich längst überholt haben. Daraus entstehen sehr oft Schuldgefühle. Nach dem Motto: Darf ich ein leichtes Leben oder spielerisch Erfolg haben, wo doch mein Vater ein Leben lang geackert hat und die Ernte daraus nur gering war? Darum wird es u.a. an dem Tag gehen. Die Grundlage ist in meiner Arbeit immer der Familienstammbaum. Daraus lässt sich viel erkennen. Interesse bekommen? Dann melden Sie sich einfach. Sofern Sie noch Fragen haben, schreibe ich Ihnen gern zurück. Herzliche Grüße, Ingrid Meyer-Legrand mailto@meyer-legrand.eu

  1. Liebe Frau Meyer-Legrand,

    mit großem Interesse habe ich Ihr Buch gelesen.Ich beschäftige mit schon seit vielen Jahren mit diesem Thema.Die Familie meiner Mutter kam aus dem Sudtetenland, die Familie meines Vaters aus Wohlynien.
    Schon seit ich Kind war hatte ich immer das Gefühl zum einen meine Eltern zu beschützen und zum anderen nicht dazu zugehören.
    Ihre Arbeit mit dem My life Storyboard interessiert mich sehr.Können Sie mir hierzu Buchemfehlungen geben.
    Ich komme aus der der Nähe von Frankfurt und kann leider nicht zu Ihnen in die Praxis kommen. Aber vileicht gehen sie ja auf Lesereise oder geben mal einen Workshop in meiner Nähe.

    Vielen Dank

    Petra Dillmann

  2. Liebe Petra Dillmann, ich danke Ihnen sehr für Ihr großes Interesse an meinem Buch und an der von mir entwickelten Methode „My Life Storyboard“. Ein Buch zu „My Life Storyboard“ gibt es noch nicht. Aber es gibt am 17.02.17 einen Tagesworkshop in meiner Praxis in Berlin zu diesem Thema. Vielleicht lohnt es sich für Sie, für ein, zwei Tage – übers Wochenende – nach Berlin zu kommen?! Ansonsten bin ich auf der Kriegsenkel-Tagung, vom 24.-26.02., die dieses Mal ganz in der Nähe von Frankfurt, nämlich in der Ferienstätte und Seminarzentrum Dorfweil, Schmitten/Ts., stattfinden wird. Schauen Sie doch mal unter diesem Link unten angehängten Link nach. Sehen wir uns dort? Herzliche Grüße, Ihre Ingrid Meyer-Legrand, http://www.kriegsenkel.de/

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