Kriegsenkel aus Ost und West erzählen sich ihre Geschichte

Kriegsenkel ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall

Kriegsenkel aus Ost- und Westdeutschland haben ein gemeinsames Erbe: Die Geschichte der Eltern- bzw. Großelterngeneration. Ihre Familien sind von Krieg und Flucht gezeichnet – und bei vielen aus dem Osten Deutschlands kam noch eine zweite Flucht hinzu.

Und noch etwas ist gemeinsam: Sowohl Ost- als auch Westdeutsche kennen das Schweigen ihrer Eltern über den Krieg, die Vertreibung und die Verbrechen der Nazis. Das hat Auswirkungen bis heute.

Von allen Kriegskindern, also den Eltern der Kriegsenkeln, hört man immer wieder: „Die ersten 10 Jahre nach dem Krieg waren ganz schlimm!“ Und besonders schlimm wurde es später für diejenigen, die in der (späteren) DDR als Flüchtlinge angekommen waren und sich mit dem Mauerbau erneut mit der Frage der Flucht konfrontiert sahen: Auf welcher Seite der Grenze wollen wir leben?

Die Entscheidung musste von heute auf morgen gefällt werden, ohne die Konsequenzen gekannt zu haben – für viele ein großes Drama. Denn von einer echten Wahlmöglichkeit konnte nicht die Rede sein.

Erneut wurden Familien auseinandergerissen. Eine Gesprächsteilnehmerin meines Kriegsenkelgesprächskreises erzählte zum Beispiel, wie ihre Familie von Pommern nach Thüringen geflüchtet war. Als Familie S. schließlich nach mehreren Wohnortwechseln in ihrer neuen Heimat, der DDR, ankam und die Tochter die dortige sozialistische Oberschule besuchen wollte, hieß es, dass sie den „erziehlichen Anforderungen einer sozialistischen Oberschule nicht gerecht würde“.

Sie ging daraufhin – zusammen mit ihrer jüngeren Schwester – nach Westberlin. Das sah zunächst nach einer vernünftigen Entscheidung aus, meinte sie. Aber dieser Schritt hatte weitreichende Folgen. Denn ihre Eltern und ihr Bruder blieben zurück.

Erst in den 1980er-Jahren, als ihre Mutter alt und gebrechlich war, ließ man sie zu ihren Töchtern ziehen. Der Bruder blieb in Ostdeutschland, aber seine Tochter flüchtete über Budapest in den Westen.

Bis heute herrscht darüber Sprachlosigkeit. Man habe sich zwar unterstützt, sagt Frau S., aber von einer echten Anteilnahme habe sie nichts gespürt. Es fehlte das Gespräch.

Diese Geschichte steht exemplarisch für viele andere. Auf der Veranstaltung wird es möglich sein, dass viele solcher Geschichten erzählt werden können.

Ich habe eine Gesprächspartnerin – meine Kollegin Sylvia Gennermann – , die in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist, eingeladen.

Mir geht es um das Erzählen, denn darin steckt eine große Kraft. „So lange wir uns etwas zu erzählen haben, kann uns nichts passieren“, sagte einmal der Schriftsteller Gerhard Köpf.

Durch unsere Erzählungen werden wir unsere Erfahrungen, was es bedeutet, bei traumatisierten Eltern und in einem autoritären Staat aufzuwachsen, teilen können. Sie werden erstaunt sein, wie viel Kraft selbst aus dem Umgang mit diesen besonderen Bedingungen des Aufwachsens den Einzelnen erwachsen ist, aber auch wie viel Leid damit verbunden war und bis heute ist.

Nach einer kleinen Einführung von mir und einem Interview mit Sylvia Gennermann wird die Runde geöffnet und Sie können Ihre eigenen Geschichten erzählen.

Ich lade Sie herzlich ein und freue mich, wenn Sie dabei sind!

Bitte melden Sie sich vorher an: mailto(at)meyer-legrand.eu
Termin: 9. November 2014, 11-13.30 Uhr
Ort: Meeet, Konstanzer Str. 15A, 10707 Berlin,
www.meeet.de
Unkostenbeitrag: 15 Euro

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